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Heudrusch-Verfahren bzw. Heumulchbegrünungen im Biotop in Aach im Juli 2018


Vor und nach dem Umbruch, beim dem ein Teil des wertvollen Kalkmagerrasens zerstört wurde.


Der BUND – Kreisgruppe Trier-Saarburg pflegt seit Mitte der 1980er Jahre das Biotop und potentielle Naturschutzgebiet in Aach „Auf dem Wehrborn“.

Bei den Flächen handelt es ich um einen Kalkmagerrasen mit einer Vielzahl von u.a. Orchideen. Hier gehörte eine kleine Fläche, die als „Dreieck“ vom BUND ebenfalls mitbetreut wurde, die Fläche war von einem Zaun und einem Fußweg in Richtung landwirtschaftliche Fläche abgetrennt. Hier konnten auch immer Orchideen, wie Mannsknabenkraut, Berg-Kuckucksblume, Fliegen-, Bienen- und Hummelragwurz sowie die Mückenhändelwurz bewundert werden.

Benachbart zu den Biotopen werden Flächen landwirtschaftlich genutzt. Bei der Pflege im Winter 2017/18 wurde festgestellt, dass das „Dreieck“ aufgebrochen wurde und für eine landwirtschaft­liche Nutzung eingeebnet worden ist. Der Zaun war entfernt und der Fußweg nicht mehr zu erkennen. Die gesamte Ackerfläche war im Frühjahr mit Raps eingesät. Auf dem Dreieck war jedoch zu beobachten, dass die Saat nur vereinzelt aufging. Dieser Sachverhalt ließ die Vermutung offen, dass die Bedingungen immer noch in Richtung Magerrasen gegeben waren. Die geringe Pflanzendichte wies weitestgehend Ruderalpflanze auf (u.a. Reseda und Meldearten). Im Sommer konnten auch die ersten Korbblütler/Disteln wie u.a. Flockenblume und Kleearten aus den benachbarten Magerrassen auf der Fläche beobachtet werden.

Aufgrund der guten Bedingungen sollte ein Kalkmagerrasen auf dieser Fläche wieder hergestellt werden. Diese Überlegung sollte von Seiten des BUND in Zusammenarbeit der Biotopbetreuung der UNB KV Trier-Saarburg und unter Mithilfe des Landwirtes im Juli 2018 angepackt werden.

Die Fläche sollte von Seiten des Landwirtes am 19. Juli vorbereitet werden, was leider nicht der Fall war. Die BUND-Aktive mähten eine Fläche von ca. 300 qm im benachbarten Biotop und brachten mit Tüchern das Mähgut auf der „Dreiecksfläche“ auf. Anschließend wurde das Mähgut großflächig verteilt und harrt nun der weiteren Einarbeitung in den Boden.

Wenn die Maßnahme nach den Arbeiten des Landwirtes nun vollständig abgeschlossen ist, sind wir für die nächsten Jahre sehr darauf gespannt, wie sich die Fläche entwickelt. Unsere Hoffnung besteht darin, dass wir bald wieder eine artenreiche Magerwiese mit einer Vielzahl von Orchideen bewundern können.

Beschreibung des Verfahrens: Heudrusch-Verfahren bzw. Heumulchbegrünungen

Beim Heudrusch-Verfahren werden im selben Naturraum ökologisch wertvolle Pflanzenbestände ausgewählt und beerntet. Die auf diese Weise gewonnenen Samen und Diasporen werden dann auf den zu begrünenden Flächen wieder ausgebracht.

Heudrusch ermöglicht es also, Flächen mit gebietsheimischen Pflanzen zu begrünen. Innerhalb kürzester Zeit entstehen hochwertigste Lebensräume mit Pflanzengemeinschaften, die seit Jahrhunderten an Boden und Klima angepasst sind. Die floristische Identität der Region und deren biologische und genetische Vielfalt bleiben bewahrt. Florenverfälschungen sind ausgeschlossen.

Nach Joe Engelhardt, Deutschlands Heudrusch®-Papst aus dem tiefsten Niederbayern zeigt sich das Verfahren wie folgt:

Mit Hilfe von Heudrusch, so erläutert Joe Engelhardt auf seiner Homepage, können innerhalb kürzester Zeit hochwertigste Lebensräume entstehen, mit Pflanzengemeinschaften, die seit Jahrhunderten an Boden und Klima angepasst sind. Die floristische Identität der Region und deren biologische und genetische Vielfalt bleiben bewahrt. Florenverfälschungen sind ausgeschlossen.

Wiesendrusch, Heusaat, Heudrusch®:  Definition

Diese miteinander verwandten Verfahren dienen der Gewinnung von autochthonem, regionalem, gebietsheimischen oder Ökotypen-Saatgut, bei dem der Grünlandaufwuchs mit geeigneten Ernteverfahren gewonnen und ausgedroschen wird. Die Arbeitsgänge sind je nach vorhandenen Geräten und zu beerntenden Pflanzengesellschaften recht vielfältig. Es kann sowohl frisches Material als auch Heu ausgedroschen werden. Das gewonnene Material, das aus Samen, zerschlagenen Frucht- und Blütenständen sowie Halm- und Blattbruch besteht, kann in frischem Zustand ausgebracht aber auch getrocknet werden, um lagerfähiges Material zu erhalten. Eine Variante der Heusaat ist der Heudrusch®, auch Engelhardt-Verfahren genannt. (ENGELHARDT 1996). Hierbei wird der gemähte Grünlandaufwuchs vorgetrocknet, in Rundballen gepresst, unter Dach nachgetrocknet und dann ausgedroschen. Das gewonnene Material kann per Hand, mit Saatkombinationen aber auch im Nasssaatverfahren ausgebracht werden. Als Sonderformen können die Gewinnung von Samen durch Ausbürsten des stehenden Bestandes, das Abrechen oder die Handsammlung aufgefasst werden (KIRMER & KORSCH).
  




Durchführung

Artenreiche Grünlandbestände werden zur Samenreife von Zielarten geschnitten / beentet und ausgedroschen. Der Einsatz von Mähdreschern, z. Teil auch von Spezialmähdreschern aus dem landwirtschaftlichen Versuchswesen, ermöglicht es, die Beerntung und das Ausdreschen in einem Arbeitsgang durchzuführen. Bei einer für einen Maschineneinsatz zu hohen Bodenfeuchtigkeit, einer zu großen Hangneigung oder einer zu steinigen bzw. zu unebenen Oberfläche ist eine Beerntung per Hand notwendig. Das Ausdreschen erfolgt anschließend in einem gesonderten Arbeitsgang an einem dafür geeigneten Ort entweder maschinell oder ebenfalls per Hand. Die Lagerung des Materials auf einer Silofolie ist zweckmäßig und verringert den Verlust von samenhaltigem Material bei dem notwendigen Arbeitsgängen.

Begrünungen im Druschgut- und Heumulchverfahren

Die Druschgut- oder Heumulchaufbringung erfolgt direkt auf die Begrünungsfläche. Die kosten­intensive Andeckung mit Oberboden kann komplett entfallen. Diese Ansaatmethoden führen zu den überwältigenden ökologischen und funktionalen Vorteilen.
Somit gesetzeskonforme Begrünungen: Das deutsche Bundesnaturschutzgesetz untersagt die Ausbringung gebietsfremder Pflanzen und Zuchtsorten in der freien Landschaft, weil die begründete Gefahr einer Verfälschung der heimischen Pflanzenwelt besteht. Durch die Aufbringung von Saatgut mittels Druschgut- und Heumulchverfahren sind wir in der Lage, die gesetzlichen Anforderungen vollständig zu erfüllen.

Die Vorteile von Druschgut- und Heumulchbegrünungen:

    • gesicherte Saatgutherkünfte
    • sichere Übertragung der Vegetation von Spenderflächen, da direkte Nachbarschaft
    • auch regionale "Raritäten" (z.B. Rote-Liste-Arten) werden übertragen
    • Übertragung von regionalen Kleinarten sowie Moosen, Flechten, Kleintieren
    • Etablierung von Beständen mit hohem naturschutzfachlichen Wert
    • Erhaltung und Förderung der Biodiversität
    • hoher ästhetischer Wert durch meist ausgeprägten Blühaspekt
    • sinnvolle Nutzung wertvoller, artenreicher Grünlandbestände
    • Nachreifung der zur Ernte evtl. noch nicht ausgereiften Samen
    • tiefe und diversifizierte Wurzelbildung
    • sichere Pflanzenentwicklung auf Rohböden (ohne Oberbodenandeckung)




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