BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland




Hier finden Sie eine Karte zur Lage des Gebietes (pdf, 962kB).




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Auf einem Hochplateau nahe der luxemburgischen Grenze, zwischen Mosel und Saar gelegen, befindet sich das Naturschutzgebiet Perfeist bei Wasserliesch, auch aufgrund der Historie „Altes Lager“ genannt.

Mehr als 20 Orchideen-, mehrere Enzianarten und andere Vertreter der typischen Kalkmagerrasen- Vegetation auf 22 Hektar, dazu eine Vielzahl an seltenen Insekten und faunistischen Besonderheiten charakterisieren das Naturschutzgebiet Perfeist bei Wasserliesch.

Und so verwundert es nicht, dass gerade die  „Erhaltung artenreicher, wärmeliebender Halbtrockenrasen- und Kalkbuchenwald-Gesellschaften“ und der Erhalt von „evolutionsgeschichtlich hochentwickelten Insekten und Orchideen und deren Begleitarten“ als Ziele aufgeführt sind, die zur Ausweisung zum Naturschutzgebiet im Jahre 1986 führten.




Pflegemaßnahmen: Jedes Jahr...



von Oktober...



...bis Februar





Herbstschönheiten: Herbstzeitlose...



...und Fransenenzian



Eine Weinbergschnecke hat sich mit einem Kalkdeckel winterfest gemacht


Schlüsselblumen sind die ersten Frühlingsboten. Das Orchideenjahr beginnt mit dem Manns-Knabenkraut im April.

Kleine Bilder sind klickbar




Schlüsselblumen



Manns-Knabenkraut





Kleine Bildergalerie einer Pflegeaktion im Winter (zu starten ins Bild klicken)

In der Chronik von Wasserliesch sind mehrere Hinweise auf die Geschichte des Gebietes zu finden. Die ältesten Hinweise gehen auf die Römerzeit zurück. In den Randbereichen (Waldbestand) lassen sich alte Mauerreste finden, über deren Ursprung es unterschiedliche Ansichten gibt.  Als „Altes Lager“ werden die Mauerreste eines Römerlagers (Bau im 3. Jhd nach Chr. – mit Skizze in der Chronik) vor der ehemaligen Römerstadt Trier angesehen. Andererseits könnte es sich um einen alten Militärposten der Römer handeln, der auf der Wegstrecke von Paris nach Konz/Trier bzw. Köln lag. Weitere Hinweise auf dieses Lager können auf die Burgherren von Reinig zurückgehen. Zwischen den Jahren 980 bis 1180 wird auf eine Wiese zwischen Konzer Brücke und Riniche im Trierer Domkapital hingewiesen. Die Mauern könnten somit auch von unterirdischen Gräben als unterirdische Zugänge zur Burg herrühren. Somit geht eine Wiesennutzung des Gebietes bereits auf diese Zeiten zurück.



Die neue Infotafel, die wir in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Wasserliesch erstellen konnten.



Küchenschellen



Verblüht, mit typisch stark verlängerten Griffeln




Ein Liliengewächs: Türkenbund



Kennen Sie den? - Diptam



Wiesensalbei


Da unsere Region Wälder als natürliche Vegetation aufweisen würde,  sind die artenreichen, wärmeliebenden Halbtrockenrasen (Kalkmagerrasen) des Saar-Mosel-Gaus mit gehölzreichen offenlandbestimmten Übergangsbereichen stark anthropogen geprägt. Solche Flächen mit ihren flachgründigen Böden auf Muschelkalk wurden lange Zeit durch extensive Beweidung und die Nutzung als Mähwiese geprägt. Im Laufe der Zeit konnte so die Struktur der Landschaft erhalten bleiben und sich das heutige einzigartige Artenspektrum herausbilden. Neben mehreren anderen Halbtrockenrasen im Gebiet des Saar-Mosel-Gaus stellt das Gebiet in Wasserliesch vom Artenspektrum her eine Besonderheit dar.



Mücken-Händelwurz



Pyramiden-Hundswurz



Ohnsporn



Die Bocks-Riemenzunge verdankt ihren Namen ihrem "eigenartigen" Geruch und der stark verlängerten Blütenzunge, die auch den bestäubenden Insekten als Landeplatz dient, die ihr Aroma zu schätzen wissen...



Widderchen verdanken ihren Namen der gebogenen Form ihrer Fühler.




Eine Besondere Gattung: Die Ragwurzen sind sogenannte "Insektentäuscher". Ihre Blüten ahmen Insekten nach, wodurch die Insektenmännchen angelockt werden und die Pollen verbreiten. Dabei kommen auch sehr spezifische Duftstoffe (Pheromone) zu Einsatz, wodurch diese Orchideen oft auf wenige Insektenarten zur Verbreitung angewiesen sind.




Hummel-Ragwurz



Bienen-Ragwurz



Spinnen-Ragwurz



Fliegen-Ragwurz



Kaum zu entdecken, aber weit zu hören: Grillen





Die Europäische Gottesanbeterin: Hier im Gebiet sehr selten und in vielen Jahren Pflegearbeit erst einmal gesehen.








Im Gegensatz zu den meisten tropischen Orchideen, die ohne Bodenkontakt auf Bäumen (epiphytisch) leben, bilden unsere heimischen Orchideen enge Lebensgemeinschaften (Symbiose) mit Bodenpilzen, von denen sie mit Nährstoffen versorgt werden. Einige Orchideen lassen sich sogar ganz vom Pilz versorgen und verfügen über fast kein pflanzentypisches Blattgrün mehr, wie zum Beispiel die Vogel-Nestwurz.




Wie beliebt das Gebiet bei Natur- und Orchideenfreunden ist, zeigt  die große Zahl von Naherholungssuchenden und Bewunderen/Interessierten aus Nah und Fern des von der Gemeinde Wasserliesch eingerichteten Kultur- und Orchideenpfades. Hier kann man sich an sämtlichen Arten und der Vielfalt des Gebiets entlang eines ausgewiesenen Rundweges erfreuen und diese bewundern.  Die aufgestellten Tafeln mit den Bezeichnungen der Arten helfen bei der Bestimmung der Pflanzen. Da die eigentliche Nutzung solcher Gebiete im 20. Jahrhundert wegen der sinkenden Rentabilität immer mehr eingeschränkt wurde, war der Erhalt der Flächen auf landespflegerische Maßnahmen angewiesen. Daher betreibt der BUND - Kreisgruppe Trier-Saarburg  seit den 80er Jahren die Pflege dieses Gebietes mit Herzblut. Es kann mit Sicherheit behauptet werden, dass die Pflege des Gebietes mit das bedeutendste der großen Natur- und Artenschutzprojekte der Kreisgruppe darstellt.

Krabbenspinnen sind Lauerjäger, die unter Blüten auf Beute warten. Die Weibchen einiger Arten können durch die Einlagerung von Farbpigmenten in die Haut ihre Farbe anpassen und sind so gut getarnt.















Feld-Mannstreu: Gut angepasst an Nährstoffarmut und Trockenheit, aber sehr lichtbedürftig - eine Charakterart der Kalk-Magerrasen.




Das Schachbrett: Eine typische Art der Kalkmagerrasen





Eine Mauereidechse wärmt sich in der Sonne auf einem Felsen

Wie in vielen alten, artenreichen Kulturlandschaften stellt auch hier die Offenhaltung das Hauptproblem dar, denn von den Rändern her drängen Schlehen, Weißdorn, Hartriegel, Hasel und anderes Gehölz in das Gebiet (offene Landschaft) und würden langfristig einen Wald aufwachsen lassen.



Was zum einen den Reiz des Gebietes mit der Strukturvielfalt (offene Bereiche, einzelne Büsche, Gehölzstreifen im Bereich von Lesesteinen, Hänge mit Kalksteinnasen und dem randlichen Waldgebiet) ausmacht, stellt auch besondere Anforderungen an die Pflege. Bis Ende der 90er Jahre wurde das Gebiet mit Balkenmähern gemäht und das Mähgut aus dem Gebiet entfernt. Die gesamte Fläche wurde in 3 Abschnitte aufgeteilt und jedes Jahr ein anderes Drittel bearbeitet. So war eine Pflege im Rhythmus von 3 Jahren gewährleistet. Die Randbereich wie u.a. der Hang im Süden musste mittels Freischneidern bearbeitet werden.




Aus Kostengründen wurde Anfang des Jahrzehnts auf eine Schafbeweidung umgestellt und nur besonders kritische Flächen wurden von der BUND-Kreisgruppe mittels Freischneidern bearbeitet. Die Effektivität der Schafbeweidung wurde dahingehend in Frage gestellt, dass die Schafe erst in der späten Jahreszeit auf die Fläche konnten und die Schafe nur selektiv die „Leckerbissen“ heraussuchten. Insbesondere der Jungwuchs der Büsche zeigte sich schnell als Problem für das Gebiet. Aktuell ist man wieder auf die großflächige Pflege mit Balkenmäher im 2-Jahresrhythmus zurückgekommen. Der BUND übernimmt die Pflege der „kritischen“ Bereiche bzw. das Zurückdrängen der hochgewachsenen Gebüsche.



Ein weiteres Problem, das sich seit einigen Jahren verstärkt bemerkbar macht – da bis dahin nicht dagegen vorgegangen wurde - ist die zunehmende Ausbreitung der Wicken. Diese würden durch die Stickstoffanreicherung im Boden (Knöllchenbakterien) die an Nährstoffarmut angepassten Arten der Magerrasenvegetation zu verdrängen drohen. Die Samenverbreitung der Wicken muss daher in den Monaten Mai bis Anfang Juli verhindert werden. Daher führen wir seit einigen Jahren auch im Sommer begrenzte Pflegemaßnahmen durch. Wie sich diese Entwicklung langfristig auf das Gebiet auswirken wird, bleibt abzuwarten.




Wicken bedrohen die Magerrasenvegetation



Jedes Jahr zur Hauptblütezeit im Mai veranstaltet  auch die Kreisgruppe Trier-Saarburg eine Führung durch das Gebiet, die regen Zuspruch findet und eine gute Gelegenheit bietet, über die Gefährdung und den Schutz unserer heimischen Vertreter dieser Pflanzengruppen zu informieren.




Sinnloser Diebstahl

Wie schon in den vergangenen Jahren wurde wieder einmal eine seltene Orchidee, in diesem Fall eine Spinnen-Ragwurz, ausgegraben und entwendet. Dies zeugt nicht nur von ausgesprochener Rücksichtslosigkeit gegenüber allen Orchideenfreunden sondern auch von erschreckender Unkenntnis der Lebensweise der Orchideen, denn diese sind in hohem Maße standortgebunden und lassen sich nicht verpflanzen.










Brand-Knabenkraut




Helm-Knabenkraut





Holunder-Knabenkraut



Bleiches Waldvöglein



Grünliche Waldhyazinthe





Silbergrüner Bläuling



Perlgrasfalter




Silberdistel im Herbst



Kreuzenzian




Kaisermantel auf Oregano

Dass die Zukunft dieses Gebietes angesichts immer weniger aktiver Helfer keineswegs gesichert ist, darf hier nicht unerwähnt bleiben. Es bleibt zu hoffen, dass mit zunehmender Bekanntheit auch die Bereitschaft steigt, selbst einen Beitrag zum Erhalt unserer heimischen Artenvielfalt zu leisten.




Aufwuchs von Gebüsch aus ca. 2-3 Jahren



Zurückgelassene Larvenhaut (Exuvie)



Kreuzspinne




Purpurknabenkraut



Affenorchis



Eine Wespenspinne hat einen Grashüpfer erbeutet.


Orchidee des Jahres 2013: Das Purpur-Knabenkraut, unsere größte heimische Orchidee und hier im Gebiet noch recht häufig anzutreffen.





Geschafft!




Quelle: http://trier-saarburg.bund-rlp.de/themen_projekte/orchideenwiesen/das_naturschutzgebiet_perfeist_bei_wasserliesch/